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Terrihütte (57)
05.-07.09.2003

Anfahrt: Konstanz - St. Margrethen - Chur - Flims - Sumvitg - Tenigerbad - Runcahaz (1270m)

Fr. 05.09.2003: Runcahaz - Terrihütte (2170m)
Gehzeit: ca. 3:30 h (ca. 950m, 7km)

Sa. 06.09.2003: Terrihütte - Greinapass - Scalettahütte - Crap la Crusch - Terrihütte
Gehzeit: ca. 6:30 h (ca. 650m, 15km)

So. 07.09.2003: Terrihütte - Runcahaz
Gehzeit: ca. 3:00 h (ca.950m, 7km)

Text und Fotos: Alfred Jäger



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Freitag, 05.09.2003
Nachdem die reiselustige Mannschaft durch Krankheit und andere widrige Umstände auf nur noch drei Teilnehmer zusammen geschmolzen war und für das Wochenende eher durchwachsenes Wetter angesagt war, stand die Durchführung der Dreitagestour auf Messers Schneide. Der Schweizer Wetterbericht und die Tatsache, dass zwei aus der Truppe anschließend einen Kurzurlaub im Tessin anhängen wollten, gab aber dann den Ausschlag doch loszufahren. In etwa drei Stunden geht es über Chur und Ilanz in Richtung Oberalppass und schließlich beim kleinen Örtchen Sumvitg in das Seitentälchen und weiter über den früher berühmten Kurort Tenigerbad bis zum Parkplatz Runcahaz am Ende des Stausees (1270 m). Die aufgrund von Bauarbeiten gesperrten letzten vier Kilometer lassen uns die Bauarbeiter angesichts des herannahenden Wochenendes trotzdem passieren, was uns beim Auf- und Abstieg jeweils eine mühevolle Stunde auf einer Schotterpiste erspart. Die Route führt zunächst auf Alpwegen immer in der Nähe des Flüsschen Rein da Sumvitg entlang; durch etliche manchmal angriffslustige, manchmal schüchterne Rindvieh-Herden hindurch, die langsam zum Almabtrieb bereit gemacht wurden,. Nach ungefähr einer Stunde quert eine Brücke aus zwei Baumstämmen den Fluss, und die Zivilisation liegt endgültig hinter den erholungssuchenden Städtern, und die einsamen Bergwegen nehmen die Wanderer gefangen. Kurz darauf zweigt der herrlich steile Pfad zur Medelserhütte ab, zur Terrihütte geht es aber bis zum Talschluss noch sanft ansteigend geradeaus weiter. Dort verengt sich das Tal und steile Wände, durch die sich das Flüsschen in Äonen durch den harten Granit hindurch gefressen hat, versperren den Weg. In mühevollem, 500 m hohem Anstieg geht es zunächst in weit ausladenden Serpentinen einen steilen Hang hoch, anschließend folgt der Weg - an so manchen Stellen durch Drahtseil versichert - einer Reihe freistehender, durch breite Grate miteinander verbundene Bergrücken. Erst auf über 2200 m Höhe, höher als die Hütte selbst (2170 m), erblicken wir unser schützende Nachtquartier, die auf einem kleinen Hügel erbaute Terrihütte. Nach einer weiteren halben Stunde ist die Hütte erreicht, die trotz des angekündigten schlechten Wetters nahezu voll belegt ist. Das gibt unserer Hoffnung, so viele Wanderer könne der liebe Gott doch nicht mit Regen bestrafen, neue Nahrung.

Bild 1: Weg zur Terrihütte

Bild 2: Terrihütte in Sicht

Bild 3: Terrihütte (2170m)

Bild 4: Terrihütte und Piz Stgir

Bild 5: Abendstimmung
Samstag, 06.09.2003
In der ersten Morgensonne des zweiten Tages blicken wir zurück auf den letzten Teil des Weges, den wir gestern gekommen sind, die Crest la Greina. Schnell schließt sich das Wolkenloch, durch das die Sonne uns noch einen freundlichen Morgengruß geschickt hatte. Nur noch vereinzelt verfolgt sie an diesem Tag unsere Tour und versteckt sich ansonsten etwas verschämt zwischen Wolken und Nebelfeldern. Gerade als wir die ersten Schritte hinter uns gelassen haben, scheint Petrus gewillt zu sein, die Himmelsschleusen zu öffnen. Zum Glück bleibt es bei ein Paar Tropfen, und wir können unseren Weg hoch zum Greinapass zunächst über viel Geröll, dann zunehmend über Wiesen fortsetzen. Am Pass zweigt eine viel begangener Übergang über den Gletscher de Lavaz zur Medelser Hütte ab. Nach dem Pass wechselt der Charakter der Landschaft hin zu einer eher unwirtlich-bizarren kalk- und dolomithaltigen Mondlandschaft. Vom Greinapass, der auch eine Wasserscheide ist, zieht sich der Ausläufer der Greinaebene noch etwa eine dreiviertel Stunde leicht abfallend hin. Kürz vor dem jähen Abfall ins Tessin verspricht die privat bewirtschaftete Scaletta-Hütte einen Erfrischungstrunk. Die Scaletta-Hütte ist der westlichste Punkt, den wir auf unserer Tour erreichen; jetzt heißt es umdrehen und laut Karte auf dem selben Weg zurück zu gehen. Zum Glück entdecken wir noch rechtzeitig eine blau markierte Variante (Bergweg), der wir in steinig-steilen Gelände folgen. Der Bergweg hält sich immer in der Nähe des Baches und führt uns vor Augen, wie fließendes Wasser eine bizarre Landschaft formen kann. Wir queren nun den Pfad, der wir vormittags gekommen sind und schlagen den Weg Richtung Piz Terri und Motterascio-Hütte ein. Der ursprünglich Plan sah zwar vor, den weglosen Piz Corói als lohnenden Abstecher zu besteigen, aber inzwischen hatte sich der Gipfel in Wolken gehüllt, so dass wir umdisponieren mussten. Der Übergang in diesem Tälchen, das zur Motterascio-Hütte und schließlich zum Lago di Luzzone (ein Stausee, der einige Tage zuvor nach einem dramatischen Wolkenbruch beinahe übergelaufen wäre) führt, nennt sich Crap la Crusch, dahinter befindet sich ein Gebirgszug, über dem der alles überragende Piz Terri (3149 m) thront. Ein Stück weit wollen wir uns diesem imposanten, pyramidenförmigen Berg nähern. Die Kondition reicht noch bis zum hinteren Talende auf etwa 2600 m Höhe, wo ein altes Schneefeld vom Gletscherbach immer noch nicht ganz abgetragen ist. Über die Greina-Ebene - diesmal auf der anderen Seite des kleinen Gebirgsrückens - wandern wir wieder zurück zur Terrihütte. Dort angekommen lässt sich auch die Sonne wieder blicken und bescheint zum abendlichen Gruße den Piz las Palas (2800 m).

Bild 6: Gestriger Aufstiegsweg

Bild 7: Blick auf Crest la Greina

Bild 8: Hüttenbrunnen

Bild 9: Greinaebene

Bild 10: Greinaebene

Bild 11: versicherte Passage

Bild 12: private Berghütte

Bild 13: Greinaebene

Bild 14: Abzweigung zum Gletscher da Lavaz

Bild 15: Greinaebene

Bild 16: Tafel an der Scalettahütte

Bild 17: Scalettahütte (2205m)

Bild 18: Rückweg zur Greinaebene

Bild 19: Privathütte

Bild 20: Mini-Stonehenge

Bild 21: Blick Richtung Piz Terri (3149m)

Bild 22: Altschneefeld unterm Piz Terri

Bild 23: Altschneefeld
Sonntag, 07.09.2003
Am dritten Tag war zwar noch ein Abstecher zum Pass Diesrut geplant, aber das Wetter machte uns wiederum einen Strich durch die Rechnung, Richtung Osten war alles in dichte, dunkle Wolken gehüllt. So machten wir uns gleich auf den dreistündigen Rückweg zurück in "unser" Tal. Dabei begleitete uns an den gegenüber liegenden Steil-Hängen des Piz las Palas eine mehrere Hundert Tiere umfassende Schafherde, wobei wir immer wieder Angst bekommen, die Schafe gleich abstürzen zu sehen. Die wie ein einheitlicher weißer Strom dahinfließende Menge, die sich bei Hindernissen auch immer wieder in einzelne Stränge aufteilte, erreichte aber ohne Zwischenfälle ihre neuen saftigen Weiden. Nun heißt es wieder Abschied nehmen, wir sind fast schon im Talgrund angelangt. Noch ein letzter Blick zurück - und die Bergwelt schließt hinter uns wieder ihre geheimnisvollen und unbezwingbar scheinenden Pforten.

Bild 24: Terrihütte mit Piz las Palas

Bild 25: Abstieg von der Terrihütte

Bild 26: Rückblick
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